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Die
Zensur in PC-Spielen hat eine lange "Tradition", doch die könnte bald ein
Ende haben!
Vor dem 1. April 2003, als noch das alte Jugendschutzgesetz gegolten hat, waren die
USK-Einstufungen
nicht verbindlich. Also Händler mussten sich nicht an die Altersfreigaben halten, es handelte sich lediglich um Hinweise. Diesen Hinweisen sprach man natürlich keinen hohen Jugendschutz zu, deshalb wurden PC-Spiele häufig
indiziert. Das bedeutete in den meisten Fällen das
Aus für das betreffende Spiel, denn jetzt durfte es nicht mehr frei verkauft werden und in PC-Magazinen wurde es nicht mehr besprochen oder namentlich erwähnt.
Als Reaktion darauf kamen, manachmal bis zur Sinnlosigkeit, zensierte sog. "
deutsche Versionen" auf den Markt, nur um solche
Indizierungen zu umgehen.
Paradebeispiel ist die deutsche Version von
Half-Life, dort wurden alle mir bekannten Formen der Zensur in PC-Spielen umgesetzt. Die Gegner (Marines der US-Army) wurden zu Robotern, menschliche Personen setzten sich nach Beschuss kopfschüttelnd auf den Boden und verschwanden nach einigen Sekunden, das Blut wurde komplett entfernt und es waren keine Todesschreie mehr zu hören.
Solche Zensierungen waren leider nicht selten. In so gut wie jeder nicht
indizierten deutschen Version gibt es kein Blut oder es wurde anders (grün/blau) eingefärbt. Todesanimationen (umkippen) und Todesgeräusche (Einschüsse/Schreie) werden ebenfalls meist entfernt.
Was ebenfalls in jeder nicht
beschlagnahmten deutschen Spieleversion fehlt, sind
Kennzeichen des Dritten Reiches. Besonders bei PC-Spielen, die in dieser Zeit spielen fällt es auf - lange rote Flaggen mit
leeren weißen Kreisen. Das ist eigentlich
nicht weiter störend, jedoch aus meiner Sicht unverständlich. In fast allen solchen Spielen spielt man auf alliirter Seite, also gegen das damalige "böse Deutschland". Aber da sind die Gesetze eindeutig. Wenn kein historisches Ereignis wiedergegeben wird (wie in vielen Filmen), sondern eine fiktive Geschichte erzählt wird, dürfen keine Symbole des Dritten Reiches vorkommen.
Komisch nur, dass die Comedy-Serie
Ein Käfig voller Helden (Kabel 1), die eindeutig KEIN historisches Ereignis wiedergibt viele dieser Kennzeichen enthält/anscheindend enthalten darf! Ggf. liegt es daran, dass Filme als Kunst anerkannt werden, das bei Videospielen aber umstritten ist.
Nun zum Ende dieser "
Tradition": Heute sind die
USK-Einstufungen für jeden Händler verbindlich. Da nun der Jugendschutz gewährleistet ist,
indiziert die
BPjM keine Spiele mehr, die bereits eine
USK-Freigabe erhalten haben. Vielleicht zensieren die Hersteller nun keine ihrer PC-Spiele mehr für den deutschen Markt. Ein wirklicher Grund besteht nun auch nicht mehr. Außer vielleicht, dass, wie bei Filmen zwei Versionen auf den Markt kommen, eine
gekürzte USK 16 für die
breite Masse und eine
USK 18 für die
Volljährigen. Doch noch muss man spekulieren, wie es sich entwickeln wird.
Nachtrag 18.07.2004:
Nun, nachdem über ein Jahr nach inkrafttreten des neuen JuSchG vergangen ist, lässt sich sagen: "
Es ist zwar einiges geschehen, aber die Zensur spielt bei PC-Spielen immer noch eine Rolle.".
Es sind zwar "jugendgefährdende" PC-Spiele wie zum Beispiel
Max Payne 2 unzensiert mit
keiner Jugendfreigabe auf den deutschen Markt gekommen, aber spätestens seit
Far Cry wissen wir, dass die Zensur noch nicht aus den deutschen PC-Spielen gewichen ist.
Far Cry wurde der
USK vorgelegt, aber zwei Spielelemente fand diese auch für volljährige, mündige Bürger zu hart:
1. Werden virtuelle Personen getötet und fallen dann ins Wasser, bluten sie aus und das Wasser um die Figur herum wird rot.
2. Schießt man weiter auf bereits getötete virtuelle Personen zucken diese noch.
Diese beiden Spielelemente mussten entfernt werden, um
keine Jugendfreigabe zu erreichen. Nachdem das Spiel erschienen ist, geschah das Unmögliche - die zensierte Fassung, die
keine Jugendfreigabe erhalten hat
wurde indiziert! Berechtigterweise, darf man sich an dieser Stelle fragen, wie das möglich ist? Nach aktuellem Recht dürfen ja keine Spiele
indiziert werden, die bereits von der
USK geprüft wurden und eine Freigabe erhalten haben. Die Antwort ist schnell gegeben: Durch sogenannte "Blutpatches" konnten die entfernten Elemente wieder aktiviert werden und somit war eine nicht geprüfte Version des Spiel enthalten. Vertreiber Ubisoft musste eine neue Version veröffentlichen, bei der dies nicht mehr möglich war.
Nachtrag 17.03.2006:
Unsere Vorhersage über ein "Ende der Tradition" hat sich wohl nicht bewahrheitet. Heute, fast drei Jahre nach inkrafttreten des neuen JuSchG und dem Verbindlich werden der Freigaben, werden trotzdem noch einige Spiele
zensiert in Deutschland veröffentlicht.
Es sind zwar weniger geschnittene Spiele auf dem deutschen Markt als noch vor April 2003 (neues JuSchG), aber von einer echten Verbesserung der Lage kann man nicht sprechen. Die
USK verweigert immer häufiger eine Freigabe und gibt das Spiel so zur
Indizierung frei.
Solch ein Verhalten ist aber nicht nachvollziehbar, denn wenn die Prüfer der
USK ein Spiel für
jugendgefährdend halten, können sie ja
keine Jugendfreigabe (USK 18) vergeben. Die Freigaben sind für Händler verbindlich und jüngere Spieler kommen nicht an betreffende Spiele heran! Verweigert die
USK die Freigabe, wird das Spiel früher oder später
indiziert und ist dann ... nur Volljährigen zugänglich - genau wie bei
keiner Jugendfreigabe (USK 18)! Der Jugendschutz ist nun durch das mit der
Indizierung einhergehende Werbeverbot auch nicht stärker gewährleistet. Volljährige, mündige Bürger aber sind hier
eingeschränkt, weil sie betreffende Spiele nur schwer kaufen können und bedingt durch das Werbeverbot in keiner Zeitschrift und auf keiner deutschen Internetseite mehr Besprechungen oder Infos finden.
Damit so etwas nicht passiert, müssen die Spielehersteller ihre Spiele für den deutschen Markt
zensieren, damit sie gerade noch
keine Jugendfreigabe (USK 18) bekommen.
Hier besteht noch Handlungsbedarf!
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