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 Steam - falscher Dampfer   über die Zensur von Steam


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Steam - Logo Steam (engl. für Dampf), ein Vertriebssystem für PC-Spiele, entwickelt von der Valve Corporation, dass immer wieder in der Kritik steht. Den meisten PC-Spielern ist Steam ein Begriff, viele schimpfen darüber. 2002 hat Valve Steam erfunden, ursprünglich als Vertriebsplattform für PC-Spiele, die es ermöglicht, Spiele online zu kaufen und runterzuladen. Damals war Breitbandinternet weniger verbreitet als heute und Steam blieb für einige Jahre ziemlich unbeachtet.

Valve Corp. - Logo Valve (engl. für Ventil), ein Spieleentwickler, der 1998 mit der Veröffentlichung von Half-Life berühmt wurde und mit dem Spiel wahrscheinlich das Ego-Shooter-Genre revolutionierte, sorgte bei der Veröffentlichung des Nachfolgers Half-Life 2 im Jahre 2004 für Aufruhr unter den Spielern. Als erstes Spiel der Geschichte musste dieses zwingend über das Internet / über die Steamplattform aktiviert werden, bevor es gespielt werden konnte. Derjenige, der also das Spiel im Laden auf DVD-ROM erworben hat, war auf einmal gezwungen einen Internetzugang zu besitzten, Steam zu installieren und sich ein Konto einzurichten. Ohne Online-Aktivierung war Half-Life 2 nicht zu starten. Die zwingende Online-Aktivierung eines Offline-Spieles (ein Spiel für Einzelspieler, das selbst ohne Internetzugang auskommt) war ein Affront und wurde ursprünglich auch abgelehnt. Doch Valve missbrauchte die Monopolstellung, die Kritik der Spieler wurde nicht beachtet. Wer Half-Life 2 spielen wollte, musste sich bei Steam registrieren. Wer das ablehnte, konnte das Spiel eben nicht spielen. Valve wusste, dass die meisten Spieler widerwillig Steam nutzen werden, um das Spiel nutzen zu können. Auch dem Autor dieser Zeilen ging es nicht anders, auch er installierte unter stillem Protest Steam und aktivierte Half-Life 2.

Diese Aktivierungspraxis wurde mit Urheberrechten und dem Kopierschutz begründet, was durchaus nachvollziehbar ist. Die Aktivierung funktioniert lediglich mit legal erworbenen PC-Spielen, Raubkopien lassen sich nicht aktivieren. So jedenfalls die Theorie. Es kursieren im Internet jedoch zahlreiche Anleitungen, die erklären, wie die Steam-Aktivierung zu umgehen ist. Ob diese Anleitungen funktionieren, ist dem Autor nicht bekannt. Die Geschichte zeigt jedoch, dass jeder Kopierschutz irgendwie umgangen werden kann, so auch Online-Aktivierungen.
Nicht notwendig zu erwähnen, dass das Umgehen von Kopierschutzsystemen und die Nutzung von Raubkopien illegal ist! Dieser Artikel will Raubkopien in keiner Weise gutheißen oder deren Verbreitung unterstützen, sich jedoch offen mit dem Thema auseinandersetzen.


Nach dieser Einleitung, nun zum Hauptthema dieses Artikels: Die ZENSUR.

Neben dem Nutzungszwang steht Steam regelmäßig in der Kritik wegen Jugendschutz und Zensur. Die Situation den Jugendschutz in Deutschland betreffend, wird auf den restlichen Seiten von medienzensur.de ausführlich behandelt. Auch für Onlineplattformen wie Steam gelten hierzulande die deutschen Jugendschutzbestimmungen.

Steam betreffend nimmt die Zensur jedoch teilweise kuriose Ausmaße an. Zunächst sei erwähnt, dass in der Zwischenzeit neben dem Erfinder Valve noch weitere Spieleentwickler und Vertreiberstudios Steam zur Aktivierung nutzen. Um nur einige zu nennen: Warner Bros., Activision, Monolith, Infinity Ward oder 2K Games.

Alle Veröffentlichungen, welche in Deutschland nur zensiert auf den Markt kommen, werden in Steam auch nur zensiert angeboten. So z.B. bei F.E.A.R. 2 - Project Origin, welches in der unzensierten Originalfassung vom der BPjM indiziert (Liste A) wurde. Die für deutsche Spieler geschnittene Fassung, welche von der USK keine Jugendfreigabe (USK 18) erhalten hat, wurde um zahlreiche digitale Effekte erleichert.

Wer das Spiel über Steam kauft und herunterläd, wird als deutscher Kunde nur die zensierte Fassung erhalten. Die unzensierte Version wird von Steam in Deutschland nicht angeboten. Steam erkennt die Nationalität der Kunden inzwischen anhand der IP-Adresse, welche jeden PC im Internet eindeutig identifiziert. Alternativ greift Steam auf die beim Kauf angegebenen Kreditkartendaten zurück, um jedem Kunden die "passende Fassung" zu liefern. Früher in den Anfangzeiten von Steam reichte es noch aus, die Sprache von deutsch auf englisch zu ändern und so die heruntergeladenen Spiele zwar mit englischer Sprachausgabe, aber ohne Zensuren spielen zu können. Heutzutage führt eine solche Umstellung nicht mehr zum Erfolg.

Low Violence - Bild 1
Low Violence - Bild 1 DE
Low Violence - Bild 2
Low Violence - Bild 2 DE
Steam ist immerhin so fair und klärt die Kunden teilweise über die Zensur auf: "Low Violence: Low Violence Version" oder "Gewaltgemindert: Gewaltgeminderte Version" ist in einer gut sichtbaren orangefarbenen Box auf der Verkaufsseite zu lesen. Das tröstet aber nicht darüber hinweg, dass die unzensierte Version gar nicht anwähl- und erwerbbar ist. Dieser Hinweis betrifft übrigens nur Spiele, die aufgrund von Gewaltinhalten gekürzt wurden; Spiele, die wegen Symbolen aus dem Dritten Reich geschnitten wurden, haben keinen Hinweis!

Mit Jugendschutz im engeren Sinne hat diese Praxis aber reichlich wenig zu tun. Häufig sind die gekürzten Versionen trotz der Schnitte mit keiner Jugendfreigabe (USK 18) gekennzeichnet, so auch im vorliegenden Beispiel F.E.A.R. 2 - Project Origin. Beim Kauf dieses Spieles, welches auch in der zensierten Version für Kinder und Jugendliche ungeeignet ist, findet überraschender Weise keinerlei Altersüberprüfung mehr statt! Wie jugendschutz.net herausgefunden hat, muss bei der erstmaligen Registrierung eines Steam-Kontos lediglich per Klick bestätigt werden, dass der Nutzer älter als 13 Jahre ist. Eine Überprüfung seitens Steam findet jedoch nicht statt. Siehe hierzu auch Recherche Computerspiele (Größe 106 KB).

Vor diesem Hintergrund scheint es absurd, dass überhaupt zensierte Fassungen über Steam verkauft werden. Wenn so oder so keine Altersüberprüfung stattfindet, könnte man sich den ganzen Aufwand mit den "Low Violence"-Versionen eigentlich sparen. Jugendschutzkonform ist es ohnehin nicht. Hier wäre es besser, ein ordentliches Altersverifikationssystem zu nutzen und erstmal sicherzustellen, dass nur diejenigen Spiele verkauft werden, die für den jeweiligen Kunden auch geeignet sind. In einem zweiten Schritt könnten dann volljährigen Kunden auch indizierte Spiele angeboten werden. Steht die Volljährigkeit sicher fest, stünde einem Verkauf über Steam eigentlich nichts im Wege.

Akutell ist jedoch die einzige legale Möglichkeit unzensierten Spielgenuss zu haben, das betreffende Spiel im Ausland zu erwerben. Als sog. "Retail-Version", also auf CD-ROM oder DVD-ROM in Verpackung, kann das Spiel gekauft werden. Die Installation erfolgt dann auch von Steam getrennt vom jeweiligen Datenträger. Nur zur Produktaktivierung wird Steam gestartet und ist dann auch zwingend erforderlich. Die Fassung wird durch die Aktivierung jedoch nicht verändert, die unzensierte Originalfassung kann, meist ausschließlich mit englischer Sprachausgabe gespielt werden. Steam- und Spielsprache sollten standardmäßig auf "englisch" gesetzt sein. Sollte die deutsche Sprachausgabe gewählt werden, kann es sein, dass Spiel doch geschnitten wird.

Call of Duty: Modern Warfare 2 - Aktivierungssperre Dieses Prozedere funktioniert jedoch nur bei Spielen, die entweder gar nicht indiziert oder von der BPjM nur auf die Liste A gesetzt wurden. Gesetz dem seltenen Fall einer Indizierung auf Liste B oder gar einer richterlichen Beschlagnahmung, besteht die Gefahr, dass sich die Fassung gar nicht aktivieren lässt.

So geschehen bei der unzensierten Fassung von Call of Duty: Modern Warfare 2, siehe rechts. Steam verweigert in diesem Fall nach der Entscheidung des Vertreibers Activision die Aktivierung.

Ende des Jahres 2009 wurde das Spiel von der BPjM vorläufig im Schnellverfahren indiziert und auf die Liste B gesetzt. Anfang 2010 wurde diese Entscheidung in einem ordentlichen Verfahren bestätigt. Bisher wurde noch keine richterliche Entscheidung bezüglich einer Beschlagnahme getroffen.

Trotzdem wird das Spiel in seiner ursprünglichen Fassung den deutschen Kunden, welche es legal im ausländischen Laden erworben haben, vorenthalten. Warum ist das so? Activision erklärt sein Vorgehen mit rechtlichen Bedenken. Der Vertreiber geht davon aus, dass mit dem Zulassen der Aktivierung ein "Verbreitungsvorgang" gegeben ist. Das Verbreiten von strafrechtlich relevanten Spielen ist aber, in diesem Falle gem. § 131 StGB, verboten.

Bisher hat jedoch noch kein Gericht die strafrechtliche Relevanz durch Beschlagnahme bestätigt. Lediglich die BPjM ist der Ansicht, es könnten sich strafrechtlich relevante Inhalte im Spiel befinden. Dies scheint Activision zu reichen um in diesem Bereich vorzupreschen und die Aktivierung zu verweigern. Aus Kulanz bietet der Vertreiber aber an, das gekaufte Spiel kostenlos in die zensierte deutsche Fassung umzutauschen.

Interessant ist hier, würde das Spiel nicht mit der Steam-Aktivierung oder einer anderen Online-Aktivierung arbeiten, gäbe es für Spieler aus Deutschland mit der Importversion auch keine Probleme. Die Konsolenfassungen von Call of Duty: Modern Warfare 2 für Microsoft Xbox 360 und SONY PlayStation3 übrigens benötigen keine Aktivierung, importierte unzensierte Fassungen können also problemlos gespielt werden. Nur PC-Spieler werden in diesem Fall bevormundet und benachteiligt. Das ist für die Spieler wenig nachvollziehbar und lässt viele weiter über Steam fluchen. Weiterhin kommt sich der deutsche Spieler, der legal Spiele erwirbt, auf den Arm genommen vor.

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Fazit:

Es ist an der Zeit, dass Steam ein ordentliches Altersverifikationssystem einführt und das Alter der Kunden überprüft. Es sollten nur geeignete Spiele an Minderjährige verkauft werden, Erwachsenen wiederum sollte der Kauf von indizierten Spielen möglich sein. Die Produktaktivierung von "Retail-Spielen" sollte lediglich prüfen, ob das Spiel legal erworben wurde, nicht den Spieler durchleuchten und nachforschen in welchen Land er sich befindet. Allgemein liegt der Kauf von "Retail-Spielen" in der Verantwortungssphäre des Verkäufers und des Käufers, es bedarf hier keiner nachträglichen rechtlichen Prüfung durch Steam. Dies ist bei einem Direktkauf über Steam selbst und anschließendem Herunterladen natürlich anders. Käufer die jedoch bewusst, aus welchen Gründen auch immer, gerade nicht über Steam sondern gezielt im Handel kaufen, sollten von Steam salopp ausgedrückt "in Ruhe gelassen werden".

erstellt im Mai 2011 von Christian Bliß



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BPjM
USK


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